Wegweiser Psychotherapie


In diesem Abschnitt möchten wir Ihnen erklären, was in einer Psychotherapie passiert und wie sie in etwa funktioniert. Es soll Ihnen die Entscheidung für oder gegen eine Psychotherapie erleichtern.

Als Psychologische Psychotherapeutin für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie bietet Dipl.-Psych. Stephanie Hild-Steimecke Sprechstunden, Akuttherapie sowie Kurz- oder Langzeitpsychotherapien für Erwachsene an. Weitere Informationen zum Behandlungsspektrum für Erwachsene finden Sie unter der Rubrik Erwachsene. Informationen zu den Psy-RENA Nachsorgegruppen können Sie sich unter Psy-RENA finden.                                         

© Rainer Sturm / PIXELIO. www.pixelio.de
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Was bedeutet Psychotherapie?           

Psychotherapie ist die wichtigste Behandlungsmethode zur Behandlung psychischer  Erkrankungen. In der Psychotherapie wird hauptsächlich mit Gesprächen gearbeitet, um die Symptome und Probleme, die zu einer Therapie bewegen, zu lösen. Hierbei handelt es sich nicht um die Art Gespräche, die man mit der besten Freundin oder dem besten Freund beim Kaffeetrinken führt. Vielmehr sind es Gespräche mit einem Fachmann, in unserem Fall einer Fachfrau, die für die Diagnose und Behandlung psychischer Erkrankungen und anderen herausfordernden Lebenskrisen spezialisiert ist. In den Therapiesitzungen werden häufig intensive Gespräche geführt und manchmal auch Fragen gestellt, die  üblicherweise nicht gestellt werden. Es geht in der Psychotherapie nicht darum, die Betroffenen zu einem anderen Menschen zu machen und sie von vorne bis hinten "umzukrempeln". Vielmehr ist Psychotherapie eine "Hilfe zur Selbsthilfe"  und soll unterstützen, sich selbst besser kennen zu lernen und vorhandene Stärken und Fähigkeiten (wieder) zu aktivieren. Uns ist es zum Beispiel sehr wichtig, mit unseren Patienten und ihren Eltern auf Augenhöhe zu arbeiten. Wir sehen unsere Patienten als Spezialisten Ihrer Selbst und sehen es als unsere Aufgabe sie darin zu unterstützen, ihr Leben (wieder) mit mehr Freude, Selbstbestimmtheit und Selbstsicherheit zu meistern. Hierbei helfen wir ihnen ihre Probleme besser zu erkennen und zu verstehen und auch "blinde Flecken" und Fettnäpfchen bewusster werden zu lassen. Hierbei nutzen wir in den Sitzungen verschiedene Methoden, um Themen, die in den Sitzungen besprochen werden, emotional zu verstärken. Dies soll langfrisitg zu einer Veränderung im Empfinden, Denken und Handeln führen. Darüber hinaus soll dies die gewonnene Einsicht vertiefen und die Behandlungseffekte langanhaltender machen. Solche Methoden können Rollenspiele, Phantasiereisen (Imaginationen), Entspannungsverfahren, Hausaufgaben und therapeutisches Zeichnen sein. Basis für solch eine Arbeit ist eine gute und vertrauensvolle Beziehung, daher ist es uns wichtig, in den ersten Sitzungen sicherzustellen, ob die "Chemie stimmt" und ob wir Therapeuten sind, denen Sie sich und Ihren Kinder anvertrauen können und von denen Sie sich verstanden fühlen.

 

Ablauf der Psychotherapie

Weil die Beziehung zwischen Therapeut und Patient so wichtig für eine Psychotherapie ist, sind die ersten Sitzungen sogenannte Probegespräche (probatorische Sitzungen). Hier kann gemeinsam geschaut werden, ob eine Behandlung vorstellbar ist. Die Sitzungen dauern in der Regel 50 Minuten und finden in einem wöchentlichen Rhythmus statt.  In Deutschland gehört Psychotherapie zu einer der Leistungen, die von den gesetzlichen und den meisten privaten Krankenkasssen gezahlt wird. Entscheiden wir uns für eine Psychotherapie, kann nach den probatorischen Sitzungen bei der Krankenkasse eine psychotherapeutische Kurzzeit- und Langzeitbehandlung beantragt werden. Eine Kurzzeittherapie dauert maximal 24 Sitzungen (à 50 Minuten). Die Behandlung dauert dann in der Regel neun Monate, wenn Urlaub und Krankheitszeiten miteinberechnet werden.  Eine Langzeittherapie umfasst üblicherweise etwa 60 Sitzungen (à 50 Minuten), was in etwa einer Behandlungszeit von ca. 15 Monaten gleich kommt. Bei einer Psychotherapie kann es auch sinnvoll sein, Partner und Familienmitglieder für einzelne Sitzungen miteinzubeziehen, insbesondere bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen. Dies erfolgt natürlich auf freiwilliger Basis.


Verschiedene psychotherapeutische Verfahren


Es gibt hunderte veschiedene psychotherapeutische Verfahren, von denen sich viele, mehr oder minder, wirksam gezeigt haben. Daher gibt es in Deutschland ein Gremium, welches verschiedene psychotherapeutische Verfahren auf ihre Wirksamkeit, bei in Deutschland lebenden Patienten, geprüft hat. Hierbei konnten vier Verfahren bzw. psychotherapeutische Schulen ihre Wirksamkeit unter strenger wissenschaftlicher Prüfung belegen: die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, die Verhaltenstherapie, die Psychoanalyse und die systemische Psychotherapie. Leider werden bisher nur die ersten drei Verfahren kassenärztlich anerkannt und entsprechend auch von den Krankenkassen bezahlt. Ambulante systemische Psychotherapie ist aktuell noch eine Leistung, die privat gezahlt werden muss. Neben den genannten Verfahren gibt es auch noch viele andere Verfahren, die wirksam sind, allerdings wurden diese meist nicht ausreichend beforscht, um den strengen Standards der Prüfung in Deutschland zu genügen.

 

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist ein Verfahren, bei dem gemeinsam mit dem Patienten Auslöser, Ursachen und aufrechterhaltende Faktoren von psychischen Erkrankungen erforscht und mit der eigenen Lebensgeschichte verknüpft werden. Dies soll Betroffenen helfen sich Selbst, ihre Reaktionen und Gefühle auf andere Menschen und schwierige Situationen besser zu verstehen und in Gegenwart und Zukunft besser damit umgehen zu können. Hierbei spielen unbewusste Prozesse, vergessene oder verdrängte Erlebnisse und ihre Auswirkungen auf das jetzige Erleben, Fühlen und Verhalten eine große Rolle.


(Kognitive) Verhaltenstherapie

In der Verhaltenstherapie wird nach einer anfänglichen diagnostischen Phase, in der auch vergangene Erlebnisse abgefragt und bearbeitet werden, vor allem an den aktuellen Symptomen und Problemen gearbeitet. Bei dieser Methode werden Lernerfahrungen und ihr Einfluss auf aktuelles Denken, Fühlen und Verhalten herausgearbeitet.  Mit Hausaufgaben und Übungen sollen diese dann systematisch verändert werden. Eine intensive Auseinandersetzung mit vergangenen Erfahrungen findet seltener statt.

 

Psychoanalyse

Die Psychoanalyse  ist die älteste und eine bis heute noch relevante psychotherapeutische Methode. Sie ist, im Vergleich zu den ersten beiden Verfahren, die zeitintensivste Therapie, denn die Sitzungen finden zwei bis drei Mal pro Woche für 50 Minuten statt. Heute wird Psychoanalyse vor allem für besonders chronische psychische Erkrankungen genutzt. Ziel der Psychoanalyse ist es, die Vergangenheit systematisch aufzuarbeiten und schwere Störungen der Persönlichkeit innerhalb von ein bis drei Jahren so zu behandeln, dass die Betroffenen besser in ihrem Alltag zurecht kommen.