Psychotherapeut oder Psychiater?


Wer behandelt psychische Erkrankungen & mit welchen Qualifikationen?

 

In der Landschaft der Psychotherapie kursieren viele (Fehl-)Informationen und Missverständnisse darüber: wer, wen, wie behandelt. Wir erleben es häufig, dass unsere Patienten darüber wenig wissen und auch über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten schlecht informiert sind. Daher ist es uns ein großes Anliegen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen und Betroffenen und Angehörigen die Möglichkeit zu einer informierten Entscheidung zu geben.

 

Psychologische Psychotherapeuten

Psychologische Psychotherapeuten (PP) behandeln in der Regel Erwachsene. Hierzu bedienen sie sich verschiedenster Therapiemethoden. Einige davon werden auch von der Krankenkasse gezahlt. Informationen zum Ablauf dieser Therapien finden Sie unter der Rubrik Wegweiser Psychotherapie.       

              © Hans-Dieter Buchmann / PIXELIO. www.pixelio.de
© Hans-Dieter Buchmann / PIXELIO. www.pixelio.de

PP haben zunächst ein fünfjähriges Psychologiestudium an einer Universität abgeschlossen. Im Anschluss machen sie eine drei- bis fünfjährige, staatlich geregelte psychotherapeutische Ausbildung, mit dessen Abschluss sie eine Approbation (Behandlungserlaubnis) als Psychotherapeut bzw. Psychotherapeutin erhalten.  Dies erlaubt ihnen eigenständig (z.B. ohne Supervision) Patienten zu behandeln und sich in einer Praxis niederzulassen.

 

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) behandeln Patienten, die nicht älter als 21 Jahre sind. Sofern sie keine Weiterbildung für die Behandlung von Erwachsenen haben, dürfen sie diese nur in Begleitung zur Behandlung eines Kindes mitbehandeln.

KJP haben zunächst ein Pädagogik- oder Sozialpädagogikstudium an einer Universität oder Fachhochschule oder ein Psychologiestudium absolviert und danach eine drei- bis fünfjährige staatlich geregelte psychotherapeutische Ausbildung mit der Approbation abgeschlossen.

 

Ärztliche Psychotherapeuten & „Psychiater“

Psychische Erkrankungen werden auch von Fachärzten diagnostiziert und behandelt. Zu diesen Fachärzten gehören Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, Fachärzte für Psychiatrie und Neurologie sowie Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.

Diese Fachärzte haben Medizin an einer Universität studiert und danach eine fünfjährige berufsbegleitende Weiterbildung für die Behandlung psychischer und neurologischer Erkrankungen abgeschlossen. Sie können zusätzlich zu Psychotherapien auch Medikamente verordnen. Bei der Arztsuche ist jedoch zu beachten, dass wenn Sie einen "Psychiater" suchen, Sie wahrscheinlich eher medikamentös behandelt werden. Die meisten Psychiater bieten zwar auch Psychotherapie an, aber meist nur in sehr geringem Anteil mit langen Wartezeiten.  Fragen Sie jedoch nach ärztlichen "Psychotherapeuten", werden Sie vor allem psychotherapeutische Gespräche erhalten und Medikamente nur eine nebensächliche oder gar keine Rolle spielen.

 

Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA)

PiA sind Psychologen, Pädagogen oder Sozialpädagogen, die ihr jeweiliges Studium abgeschlossen haben. Sie haben sich nach Ihrem Studium zu einer berufsbegleitenden Aus- bzw. Weiterbildung entschieden, die sie nach drei bis fünf Jahren dazu befähigen, eine Approbation (Erlaubnis zur eigenständigen Behandlung von Patienten) zu erlangen. In dieser Ausbildung absolvieren sie mind. 1800 Stunden Praxisarbeit in Kliniken, mind. 600 Stunden Theorie, mind. 120 Stunden Lehrpsychotherapie (auch Selbsterfahrung genannt), mind. 150 Stunden Beratung durch erfahrenere Kollegen (Supervision) und mind. 600 Stunden eigenständige Behandlung (unter Supervision) sowie weitere 930 Stunden zusätzliche Ausbildung aus den oben genannten Bereichen.  Insgesamt umfasst die Ausbildung 4200 Stunden. Inhalte, Ablauf und Form der Ausbildung sind durch das Psychotherapeutengesetz (PsychThG) geregelt. Im Rahmen dieser Ausbildung dürfen PiA unter Supervision Psychotherapien durchführen, die über ihr Ausbildungsinstitut beantragt und abgerechnet werden.

© twinlili / PIXELIO. www.pixelio.de
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Psychologen

Diplom-Psychologen oder Psychologen Master haben ein fünfjähriges Psychologiestudium absolviert, aber keine zusätzliche Ausbildung in Psychotherapie. Sie haben während ihres Studiums meist viel theoretisches Wissen, aber weniger praktische Erfahrung erlangt. Sie sind vor allem in der Forschung, im Personalwesen, in psycholo-gischen Diensten oder Beratungsstellen und der Organisationsberatung tätig. Praktische Erfahrungen in der Behandlung von psychischen Erkrankungen erlangen sie über Berufserfahrung oder im Rahmen einer Weiterbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten. Sie haben die Möglichkeit eine Heilpraktikererlaubnis für den "kleinen Heilpraktiker" zu erlangen und können in diesem Rahmen therapeutische Gespräche, Beratung oder Coachings anbieten. Die Berufsbezeichnung hierfür ist "Heilpraktiker/in für Psychotherapie". 

 

Hausärzte

Viele Menschen gehen bei psychischen Beschwerden zunächst zu ihrem Hausarzt, weil sie ihn/sie bereits kennen, oder weil Betroffene zunächst überwiegend die körperlichen Symptome ihrer psychischen Erkrankung bemerken. Der Hausarzt untersucht, ob eine körperliche Ursache für die Beschwerden vorliegt. Ist dies nicht der Fall, dann könnte eine psychische Erkrankung die Ursache für die Beschwerden sein. Wenn solch ein Verdacht besteht, überweist ihr Hausarzt Sie dann idealerweise zu einem Psychotherapeuten, damit dieser feststellen kann, ob eine und welche spezifische psychische Erkrankung vorliegt. Alternativ könnte es auch sein, dass Ihr Hausarzt Ihnen gleich eine medikamentöse Behandlung anbietet. Sollten Sie eine Psychotherapie vorziehen, ist es wichtig, dass Sie dies Ihrem Hausarzt klar sagen. Dieser kann Sie dann an einen Psychotherapeuten überweisen. Sie können aber auch ohne Überweisung ihres Hausarztes einen Psychotherapeuten aufsuchen. Eine Überweisung ist nicht zwingend notwendig.

Manche Hausärzte können auch den "Zusatztitel Psychotherapie" erlangen. Dies ist eine verkürzte berufsbegleitende Weiterbildung, die es ihnen neben der Tätigkeit als Hausarzt ermöglicht Psychotherapien anzubieten.

 

Ambulanzen

Neben den Praxen von Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, gibt es psychiatrische und psychotherapeutische Ambulanzen. Sie können diese Ambulanzen direkt kontaktieren oder aufsuchen. Hierzu gehören zum Beispiel Ambulanzen an Hochschulen, die in der Regel an ein Institut für Klinische Psychologie oder Psychotherapie einer Universität angegliedert sind sowie psychotherapeutische oder psychiatrische Ambulanzen, die zu einem Krankenhaus gehören. Weitere psychotherapeutische Ambulanzen finden sich an Ausbildungsinstituten für Psychotherapeuten.

 

Krankenhäuser: Psychiatrie und Psychosomatik

Die Behandlung in einem Krankenhaus sollten Betroffene erwägen, wenn ihre Erkrankung besonders schwerwiegend ist und eine ambulante Therapie nicht ausreicht oder zu keinen Verbesserungen führt. Diese Behandlungsoption sollten Sie zunächst mit ihrem Psychotherapeuten, Haus- oder Facharzt besprechen. Der Vorteil einer stationären Behandlung liegt darin, dass verschiedene Behandlungsmethoden auch kombiniert und intensiver durchgeführt werden können. Psychotherapie wird dort beispielsweise sowohl als Einzel- als auch als Gruppentherapie durchgeführt.

Die Behandlung in einem Krankenhaus kann noch einen weiteren Vorteil haben: In einer Klinik können Sie Abstand gewinnen zu den Sie belastenden Konflikten am Arbeitsplatz oder in der Familie, die eine rein ambulante Behandlung von psychischen Krankheiten erschweren können. Nach einer stationären Behandlung müssen Sie allerdings lernen, wieder mit diesen Belastungen umzugehen und erreichte Verbesserungen zu stabilisieren. Deshalb ist häufig eine ambulante Psychotherapie im Anschluss notwendig.

Grundsätzlich können Sie sich zwischen verschiedenen Kliniken für psychische Erkrankungen entscheiden. In Deutschland gibt es unter anderem:

  • Krankenhäuser für Psychiatrie und Psychotherapie,
  • Krankenhäuser für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie,
  • Allgemeinkrankenhäuser mit entsprechenden Fachabteilungen,
  • Psychosomatische Rehabilitationskliniken
  • andere Spezialkliniken für bestimmte Problematiken und Erkrankungen (z.B. Sucht).

Stationäre Einrichtungen arbeiten in der Regel mit Behandlungskonzepten, die sich aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzen können, wie zum Beispiel Psychotherapie (einzeln und in der Gruppe), themenspezifische Gesprächsgruppen (z.B. zu Stress oder Depression), Medikamente, Psychoedukation, Ergotherapie, kreative Therapiemethoden (zum Beispiel Kunst- oder Musiktherapie), Physiotherapie und Sport-/Bewegungstherapie.

In einem Krankenhaus arbeiten verschiedene Berufsgruppen eng in einem Team zusammen, unter anderem Ärzte, Psychotherapeuten, Spezialtherapeuten (zum Beispiel Ergotherapeuten) und das Pflegepersonal. Während in der Psychiatrie in der Regel eine Kombinationsbehandlung aus Medikamenten und psychotherapeutischen Interventionen erfolgt, die unterschiedlich stark gewichtet sein können, bietet die Psychosomatik im Schwerpunkt psychotherapeutische Behandlungskonzepte an.

Psychosoziale Beratungsstellen

Bei Konflikten und Krisen können Sie sich auch an psychosoziale Beratungsstellen wenden. Diese bieten Hilfen, um Belastungen zu meistern, denen Betroffene manchmal nicht mehr alleine gewachsen sind. Meist haben sich die Beratungsstellen spezialisiert und richten sich an bestimmte Personen, wie:

  • Kinder, Jugendliche und Eltern,
  • Paare und Familien,
  • chronisch kranke Menschen,
  • Frauen oder
  • haben spezielle Schwerpunkte wie: Schwangerschaft, Sexualität oder Sucht.

In Beratungsstellen arbeiten meist viele verschiedene Fachgruppen zusammen. Häufig haben Betroffene die Möglichkeit mit Sozialarbeitern, (Sozial-)Pädagogen, Psychologen, Theologen oder auch Psychotherapeuten zu sprechen. Getragen werden diese Einrichtungen von Städten und Gemeinden oder Kirchen, Wohlfahrtsverbänden und Vereinen. Die Beratung ist meist kostenlos. Das psychosoziale Angebot kann jeder nutzen, dem seine Alltagskonflikte und -probleme über den Kopf wachsen. Beratungsstellen richten sich an Menschen mit Lebenskrisen und -problemen und solchen, die sich zu bestimmten Themen beraten lassen wollen.

 

Heilpraktiker für Psychotherapie

Heilpraktiker erhalten ihre Behandlungserlaubnis über das Heilpraktikergesetz. Es gibt hier zwei Arten von Heilpraktikern, solche mit einer umfassenden Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde sowie Heilpraktiker für Psychotherapie. Heilpraktiker mit der umfassenden Erlaubnis dürfen körperliche und seelische Leiden feststellen und eine eigene Therapie, auch mit körperlichen Behandlungen, durchführen. Sie nutzen für Diagnose und Therapie meist naturheilkundliche Methoden oder Alternativmedizin. Daneben verfügen manche Heilpraktiker auch über eine eingeschränkte Heilkundeerlaubnis auf dem Gebiet der Psychotherapie. Manche Berufsgruppen (z.B. Psychologen) können auch nur eine Behandlungserlaubnis als Heilpraktiker für Psychotherapie erlangen.

Die Ausbildung und Berufserfahrung für "Heilpraktiker für Psychotherapie" kann deutlich variieren. Sollten Sie sich für eine (psycho-)therapeutische Behandlung an einen Heilpraktiker wenden, ist es daher zu empfehlen sich über dessen Qualifiaktion, Berufserfahrung und Ausbildung kundig zu machen.

 

Wie finde ich einen Psychotherapeuten?
Um einen Psychotherapeuten in Ihrer Nähe zu finden, können Sie z.B. auf den Internetseiten der Psychotherapeutenkammern der Bundesländer oder der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung nach einem Psychotherapeuten suchen. Dort können Sie suchen, indem Sie zum Beispiel Ihre Postleitzahl (oder nur die ersten zwei Ziffern) eingeben. Sie erhalten dann eine Liste der Psychotherapeuten in Ihrer Gegend.

Meist sind jedoch die Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz sehr lang. Hier haben Sie die Möglichkeit auch eine Privatpraxis aufzusuchen, wenn die Wartezeit für einen Behandlungsplatz sehr lang ist oder Sie keinen Platz finden können. Weitere Informationen zum Prozedere der sogenannten "Kostenerstattung" finden sie hier.